1963

Die Langen Erlen

Rolf Wehrlin

Der ehemalige Auenwald längs der Wiese, die Langen Erlen, hat seinen Namen von der Schwarzerle erhalten, die noch während der Zeit, da die mäandrierende Wiese mit ihren vielen Nebenarmen und Grundwassertümpeln weite Teile des Waldes durchzog, der charakteristische Baum war. Die Schwarzerlen wuchsen damals an den von ihnen bevorzugten Standorten zu prächtigen, bis zu 35 Meter hohen Bäumen heran, deren lange und verhältnismäßig dünne Stämme eigenartige Waldbilder schufen, die heute nur noch selten anzutreffen sind (z. B. zwischen Niederholz und Entenweiher).

Die Langen Erlen gehörten einst zu einem ausgedehnten Forst, der von der Dorfsiedlung «Niederbasel» bis weit in den Breisgau hinein reichte. Wir erhalten schon recht früh Kunde davon, weil im Jahre 1008 Kaiser Heinrich II. dem Basler Bischof Adalbero II. den Wildbann im Breisgauer Forst schenkte. Bei der hohen Strafe der Verbannung war darin das Jagen des Hochwildes, das Einfangen der Biber und das Erlegen des Geflügels verboten. Als das Kloster St. Alban auf Kleinbasier Seite zu bedeutendem Eigentum gelangte, erschlossen die Mönche und ihre Gehilfen den im untersten Wiesental in ihren Besitz übergegangenen Forstteil der Kultur: Rodungen wurden angelegt, Wasserläufe reguliert, Gewerbekanäle, die Kornmühlen und Sägereien betrieben, wurden gegraben. Im Verlaufe der folgenden Jahrhunderte wurden in den übrigen Gebieten des Breisgauer Forstes die Rodungen derart vorangetrieben, daß die Langen Erlen schließlich dessen letzten überrest bildeten. Das heute mit diesem Namen bezeichnete Gebiet wird durch die Wiese zweigeteilt: rechtsufrig (zwischen Wiese und Landesgrenze) liegt der Waldstreifen, der schon von alters her «Lange Erlen» hieß und in der neuesten Zeit dem ganzen Auenwaldgebiet den Namen gegeben hat. Linksufrig wurden die Waldgebiete einst «Kuhstelli», «Hohle Gasse» und «Spitalerlen» benannt (die beiden letzteren im Gebiet westlich und östlich des Riehenteichs). Beide Waldhälften waren seit 1432 durch eine Brücke miteinander verbunden.

Damals waren die Langen Erlen noch nicht der gepflegte Wald mit Spazierwegen, wie wir ihn heute kennen. Außer in unmittelbarer Nähe der Wiese und ihrer Nebenarme, wo die Erle zu finden war, traf man hier einen prachtvollen Eichenmischwald, eine Waldform also, in der mächtige Eichen vorherrschten. Ihr Holz diente der Instandstellung der «Schließe», die seit dem 13. Jahrhundert das für das Kleinbasier Müllergewerbe unentbehrliche Wasser abzweigte, und dem Unterhalt der andern Teiche. Die Eichen wurden außerdem ihrer Früchte wegen bis ins 19. Jahrhundert hinein mit besonderer Fürsorge, ja sogar mit obrigkeitlichem Schutze bedacht, spielten die Eicheln doch bei der Schweinemast eine maßgebende Rolle. Aus diesen Gründen wurden jährlich fronweise Hunderte von jungen Eichbäumen in die Weidgänge gepflanzt und verdornt, um sie vor Wild- und Viehfraß zu schützen. Hohe Strafen für das Auflesen von Eicheln wurden erlassen, und das unerlaubte Umhauen eines Eichbaumes wurde als höchster Frevel betrachtet. Aus diesem Grunde mußte beispielsweise 1701 ein angesehener Bürger von Basel eine hohe Geldstrafe bezahlen und 50 junge Eichen auf seine Kosten setzen lassen.

Dank dieser Betreuung fanden die Schweineherden aus der Stadt zwei bis drei Monate die begehrte Nahrung. 1775 konnten zum Beispiel mehrere hundert Schweine bis gegen Weihnachten in die Basler Wälder laufen und dort Nahrung finden, und noch Ende des 18. Jahrhunderts boten allein die rechtsufrigen Langen Erlen für mehr als hundert Tiere reichlich Nahrung. Fast das ganze Kleinbasler Waldgebiet war seit der Vereinigung des minderen Basels mit Großbasel im Jahre 1392 im Besitz der Stadt, eingeschlossen die vielfach nur aus Borden, Tümpeln und Niederholz bestehende Allmend zwischen Langen Erlen und der Riehener Straße. Hier hatte der Kleinbasier Bürger seine Viehweide, und von dieser trug bis ins 19. Jahrhundert das beim heutigen Pumpwerk gelegene Gelände den Namen «Kuhstelli».

Dieser ausgedehnte Eichwald vor den Toren Kleinbasels erlitt nun leider während der französischen Revolution und der Napoleonischen Herrschaft entscheidende Einbußen. Im Frühjahr 1799 wurde eine große Waldfläche mit über 80 großen Eichen an der Wiesenbrücke abgeholzt, da sie der von den französischen Truppen erbauten Befestigung vorgelagert war. Im gleichen Jahr verschwand der Eichwald des Eglisees, da dort eine Batterie errichtet wurde. Um so befremdlicher erscheint es uns heute, daß die Regierung von Basel 1831 das einzige, noch vorwiegend aus alten Eichen bestehende Waldgebiet zwischen dem heutigen Pumpwerk und der Schließe zu schlagen anordnete. Diese Tat bedeutete die Vernichtung des letzten großen Eichbestandes in der Umgebung der Stadt.

Mit der Trennung von Basel-Stadt und Basel-Land wurden die Basler Waldungen den Gemeinden zugewiesen. Damit begann die Stadt den ihr verbleibenden Waldbeständen größere Aufmerksamkeit zu schenken. So nahm im Jahre 1863 die allmähliche Umwandlung der Langen Erlen in einen Waldpark seinen Anfang. Von 1863 bis 1867 wurde der Erlenwald nach den Plänen des Basler Kunstgärtners Theiler gesäubert und verbessert. Breite Fußwege und eine zweite Wiesenbrücke wurden erstellt, versumpfte Waldpartien trockengelegt. Man schuf malerische Rasenplätze im Schatten schöner Laubbäume und legte Spielplätze und Reitwege an. Die Krönung des Werkes bildete die Schaffung eines Tierparkes, dessen Gründung ins Jahr 1870 fällt.

Immer wieder richteten die über die Ufer getretenen Hochwasser der Wiese im Erlenwald und dann auch im neu erstandenen Tierpark große Schäden an, und so entschloß man sich nach den verheerenden Uberschwemmungen der Achtzigerjahre, den Lauf der Wiese zu korrigieren und die Gefahr dadurch dauernd zu bannen. Vor der Korrektion bildete die Wiese auf längere Distanz die Landesgrenze. Allerdings hielten weder Marksteine noch eichene Pfähle dem Wildwasser stand. Der genaue Grenzverlauf wurde daher damals durch Lohensteine festgelegt, welche heute dank der modernen Vermessungstechnik nicht mehr gebräuchlich sind. Diese Steine standen auf beiden Wiesenufern, und ein Plan gab jeweils die Entfernung der Landesgrenze an. Seit der Korrektion verlaufen sowohl die Wiese als auch deren beide Hochwasserdämme von Stetten an ganz auf Schweizer Boden. Dies zeigt, daß Basel, dessen Gebiet durch die Hochwasser vor allem bedroht war, die Dämme erstellt und deren Beaufsichtigung übernommen hat. Damit wurde gleichzeitig auch unliebsamen Grenzzwischenfällen vorgebeugt.

Basel, das zur Zeit, als nach Theilers Plänen aus dem verwilderten Auenwald ein Waldpark geschaffen wurde, etwa 50 000 Seelen zählte, ist heute zu einer Stadt von bald 250 000 Einwohnern angewachsen. Riehen hat in der gleichen Zeit ein Wachstum von 1700 auf ca. 20 000 Einwohner zu verzeichnen. Die Langen Erlen bilden daher für diese rasch wachsenden Gemeinden eine immer bedeutender werdende Grünfläche. Diese stellt heute den wertvollsten Teil des baselstädtischen Grünzonenplanes dar und wird, da sie im Grundwasserschutzgebiet liegt, den kommenden Generationen erhalten bleiben. Deshalb läßt man gerade in neuester Zeit den «Lungen der Stadt», dem Wald, besondere Sorgfalt angedeihen.

Der Wald
Der Spaziergänger, der heute die Langen Erlen mit offenen Augen durchstreift, auch ab und zu einmal seinen Blick hinauf in die Kronen schweifen läßt, kann auf Schritt und Tritt eine große Wandlung im Baumbestand beobachten. Ihm imponieren vorerst einmal die gewaltigen Baumriesen, die ihre äste weit in den Himmel recken, etwa die 180—200 Jahre alten Eichen zwischen Entenweiher und Wiese. Oder er freut sich an den großen, hellberindeten Pappeln zwischen Spitalmatthof und Riehenteich, die in 70 Jahren größer wurden als die Eichen in doppelt so viel Zeit. Vielleicht hat er auch einmal den Anblick der schattigen, sattgrünen Laubdome der Roßkastanien, die vor allem längs der geteerten Sträßchen stehen, genossen und auf einer Bank unter ihnen ausgeruht. Noch an manchen Orten erheischen sie Bewunderung, diese Recken im heutigen Erlenwald, die Schwarzpappel etwa, die am Waldrand nördlich der Exerziermatte mit ihrem massigen, knorrigen, hohlen Stamm den Blick auf sich zieht, oder der Spitzahorn, der bei der Baumschule am Erlenparkweg seine wunderschöne Krone auf einem schlanken, hohen Stamme trägt und damit weit über eine benachbarte Weißbuche hinausragt. Aber da und dort sind sie selten geworden oder fehlen ganz. Hier stehen dafür dichtgedrängt zehn- bis zwanzigjährige Jungbäumchen, die sich im Konkurrenzkampf ums Licht gegenseitig in die Höhe treiben und so schlanke, astfreie Stämme und im Alter schöne Kronen erhalten. Auf einzelne besonders schön und stark gewachsene unter ihnen hält der Förster ein wachsames Auge; droht ein nicht auserwählter Nachbar deren Wuchs zu beeinträchtigen, so wird er entfernt.

Auf einer Parzelle daneben scheint gar jeglicher Pflanzenwuchs ausgerottet. Ein einfacher Stacheldrahtzaun schützt zwar irgend etwas vor dem «Trampeltier» Mensch und eine gelbe Tafel verkündet: Waldnachwuchs-Reservat. Und tatsächlich entdeckt man bei genauerem Hinsehen zwischen kleinen Wällen von dürrem, verrottendem Laub Keimlinge von Eiche, Ahorn, Esche usw.

Warum ist nun dieser etappenweise «Neubau» des Erlenwaldes notwendig? — Während vor der Korrektion die Hochwasser der Wiese den Boden im Gebiet der Langen Erlen regelmäßig überfluteten, sich Rinnen und Mulden ausschwemmten, in denen das Wasser in Tümpeln noch wochen-, ja monatelang stehen blieb, ist von diesem natürlichen Wasserreichtum heute kaum noch etwas zu sehen, es seien denn künstliehe Bewässerungsgräben und einige wenige Teiche. Dazu kam seit 1880 in immer stärkerem Maße die Grundwasserentnahme durch das Erlenpumpwerk, das heute dem Boden im Maximum 120 000 m3 Wasser pro Tag entzieht, bei Trockenheit sinkt die Entnahme allerdings bis auf 50 % ab. In dem allmählich trockener werdenden Boden war es den Erlen nicht mehr wohl, und mit ihnen zeigten noch andere Gehölze, so namentlich die Eschen und auch viele Eichen, mit ihren dürren Zweigen an, daß sie sich der Verschlechterung des Wasserhaushaltes im Boden nicht anpassen konnten und darum nach und nach vor dem Erreichen der natürlichen Altersgrenze abstarben.

Bis zum Zweiten Weltkrieg beachtete man allerdings diese Anzeichen eines langsamen Todes nicht genügend. Der Wald wurde bis dahin nicht eigentlich kultiviert und nach forsttechnischen Gesichtspunkten unterhalten, sondern man beschränkte sich darauf, ihm durch Ausholzen der abgestorbenen Bäume ein gesundes Aussehen zu erhalten. Dadurch wurde eine Verjüngung des Baumbestandes unterlassen; die Folge davon war eine teilweise überalterung. Dazu kam, daß vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg der Wasserbedarf des Kantons BaselStadt sehr groß wurde, was eine Senkung des Grundwasserspiegels, der ehemals zwei Meter unter der Erdoberfläche lag, auf viereinhalb bis fünf Meter unter die Oberfläche zur Folge hatte. Dies führte beim Altholz in Trockenperioden, von denen besonders der Sommer 1947 katastrophal wirkte, zu Trockenschäden, die immer offensichtlicher wurden. Hätte man nun den Wald sich selbst überlassen, so hätten sich wohl in einem jahrzehntelangen Prozeß mit einer langen, sehr unansehnlichen übergangszeit nach und nach eigentliche Trockenzonenbewohner wie Robinie (heute vor allem auf den trockenen Dämmen), Mehlbeerbaum, Weiß- und Schwarzdorn und vielleicht auch Flaumeiche an die Stelle der Auenwaldbäume, der Erlen, Weiden, Pappeln, Eschen und der Ulmen, Ahorne und Eichen gesetzt. Diesem Naturvorgang, hervorgerufen durch menschlichen Eingriff, haben der Förster und seine Gehilfen entgegengewirkt.

Überall dort, wo die Wiesenarme in früherer Zeit bei überschwemmungen durch Schlammzufuhr eine genügend dicke Humusdecke zustande brachten, waren Trockenschäden weitgehend ausgeblieben oder doch viel geringer ausgefallen. Große Teile des Erlenwaldes besitzen jedoch auf dem kiesigen Untergrund eine nur dünne Humusdecke, die durch den Grundwasserentzug zum Teil noch ausgespült wurde. Hier hat man bis jetzt schon gegen 80 000 m3 erdiges Material aus benachbarten Baugebieten verteilt. Diese mit lehmiger Erde angeschütteten Gebiete können das Regenwasser besser aufspeichern. Durch das Auflegen einer möglichst großzügigen Schicht von Fallaub, das vor allem durch die Arbeit der Würmer in den Boden hinein gelangt, erhält man in wenigen Jahren eine gute Grundlage für die nun folgende Verjüngung des Waldes. Ziel dieser Verjüngung ist es, einen Forst zu erhalten, dessen gesunder Baumbestand sowohl den Spaziergänger erfreut, als auch eine gewisse forstliche Nutzung ermöglicht (die wiederum eine ständige, «schmerzlose» Auffrischung bewirkt). Diese Neupflanzung ist deshalb nötig, weil die alten Bäume sich trotz der Aufschüttung mit erdigem Material nicht mehr an die neuen Grundwasserverhältnisse gewöhnen können. Der Beginn dieses Vorganges scheint allerdings für den außenstehenden Beobachter meist entsetzlich. Er besteht im Schlagen vieler, für das ungeübte Auge gesunder, schöner Bäume. Höchstens einige wenige besonders stattliche Exemplare werden für die ersten paar Jahre noch stehen gelassen. Um dem Naturfreund den Anblick kahler Walderde möglichst zu ersparen, und weil mit einer solchen Erneuerung gewaltig viel Arbeit verbunden ist, werden jedes Jahr nur relativ eng begrenzte Waldpartien geholzt. In langen Reihen — dies geschieht so aus praktischen Gründen und ist später nicht mehr sichtbar — wird nun der gewünschte Laubwald gesät. Zugegeben, das Wort «säen» ist im Zusammenhang mit der Waldpflanzung etwas ungewohnt, aber es werden tatsächlich die Samen in die Erde gebracht: der Wald wird so «naturverjüngt». Nur die Nadelhölzer (Rottanne, Lärche, Föhre, vereinzelt auch Weißtanne) zieht man zuerst in der Baumschule bis zu einer gewissen Größe, um sie dann als kleine Bäumchen einzupflanzen. Dann müssen sie durch Drahtgeflecht vor Wildfraß besonders geschützt werden. Die Eichen, Hagebuchen, Ahorne hingegen stehen anfänglich so dicht, daß ein gelegentlicher Ausfall nichts ausmacht. Die Jungpflänzchen wachsen vorerst noch recht langsam und stehen im Existenzkampf mit der oft starken Krautschicht, die durch Fallaubschichten möglichst zurückgedämmt wird. Erst von etwa fünf Jahren an setzt ein rascheres Wachstum von etwa 50—100 Zentimeter im Jahr ein.

So wächst Jahr um Jahr unter dem wachsamen Auge des Försters der Wald heran. Er schützt die Jungpflanzungen vorerst noch mit einem Stacheldrahtzaun, denn es hat sich gezeigt, daß sich gewisse Waldbenützer fast ebenso rücksichtslos gebärden wie die Schweineherden im 18. Jahrhundert. Abgerissene Zweige hinterlassen an den jungen Bäumchen Narben, die am alternden Baum eine Quelle der Fäulnis bilden. Zu einzelnen Lärchen, Linden, wilden Kirschbäumen, Eschen und Föhren trägt man besondere Sorge, während die Schwarzerle heute in der Regel nur noch als sogenanntes Vorbauholz dient: man läßt sie nur in den ersten Jahrzehnten wachsen, weil sie mit ihrem Wurzelwerk, ähnlich den Hülsenfrüchtlern, Stickstoff im Boden anreichert und mit ihrem Laub die Humusdecke aufbauen hilft.

Derart hofft man in 80 bis 120 Jahren einen Hochwald heranzuziehen, der den neuen Grundwasserbedingungen angepaßt ist. Dieser Hochwald, wie wir ihn heute noch im linksufrigen Teil der Langen Erlen finden, ist oder wird im Gegensatz zu den einstufigen reinen Buchen- oder Fichtenwäldern ein mehrstufiger Mischwald, an dessen Aufbau sowohl Schatten- als auch Lichtholzarten beteiligt sind. Die obere Baumetage oder Kronenschicht bilden Lichthölzer: Stiel- und Traubeneiche, Esche, Kirschbaum, Spitzahorn, auf trockener Unterlage auch die Waldföhre (die Ulme fällt wegen der Ulmenkrankheit mehr und mehr aus). An der unteren Baumetage beteiligen sich die Hagebuche, der Feldahorn und die Winterlinde, bisweilen auch die Buche und die Traubenkirsche. Diese zweite Etage erhält noch genügend Licht, weil die Oberschicht meist nicht vollständig schließt. Das Unterholz füllt in der zweiten Baumetage so kräftig, daß jeweils der gesamte Standraum besetzt und beschattet wird und sich die Strauchschicht nur spärlich entwickelt, ganz fehlt sie jedoch nie. Am Waldrand dagegen sind die Sträucher in ihrem Element und bilden mit den Lianen zusammen einen dichten Saum, einen wirksamen Abschluß des Waldes gegen außen (besonders schön noch zwischen Spitalmatthof und Entenweiher). Als unterste Etage treffen wir schließlich die Krautschicht, die durch ihre verschiedenen jahreszeitlichen Aspekte auffällt. Im April, also vor dem Laubausbruch der Bäume, erblühen im Erlenwald bereits die weiße und seltener auch die gelbe Waldanemone, der Gold-Hahnenfuß, das Scharbockskraut, die Waldschlüsselblume, das Lungenkraut, die gefleckte Taubnessel, das Veilchen und der Lerchensporn. Nachdem sich die Bäume belaubt haben, erscheinen die Blüten der Goldnessel, der Frühlingsplatterbse, der Rapunzel, des Aronstabes, des Vielblütigen Weißwurzes, gemeinhin oft auch Salomonssiegel genannt. Schon im Juni verschwinden die oberirdischen Teile der Anemone, des Scharbockskrautes und des Goldhahnenfußes, dafür trifft man jetzt bald überall auf das Rührmichnichtan, das gelbblühende Waldspringkraut und das kleine Springkraut, deren reife Früchte bei der geringsten Berührung platzen und die Samen damit wegspicken.

Nun gibt es im Erlenwald noch einige Waldpartien, die von diesem Normalbild abweichen. So hat man auf Riehener Boden einige mit niederen Erdwällen begrenzte Waldstücke aufgeforstet, die in kurzen Abständen immer wieder mittels Bewässerungsgräben überschwemmt werden: beim Entenweiher, hinter dem Sportplatz, nordwestlich des Grendelmatthofes. Hier können die Schwarzerle und die Italienische Pappel sehr gut gedeihen, und da kann man auch im Juni zum Teil die gelbe Wasserschwertlilie blühen sehen, die im Entenweiher gegen den Breitmattweg einen beachtlichen Blättersaum bildet.

Im baselstädtischen Teil der Langen Erlen unternimmt der Förster gar den Versuch, an einzelnen Stellen exotische Bäume anzupflanzen. Vielleicht die interessantesten dieser Exoten sind die Sumpfzypressen (Taxodium distichum), mit denen man an den Weihern des Tierparks, auch am Teich zwischen Erlenparkweg und Wiese, dem Tummelplatz unserer Modellschiffbauer also, einen Versuch macht, der bis jetzt vollauf befriedigt. Trotzdem die Bäume hier erst eine Höhe von sechs bis sieben Metern erreicht haben (in ihrer Heimat werden sie bis 50 m hoch und bilden Stämme von 10 m Umfang), fallen sie mit ihren hellen, lichtgrünen Nadeln, die viel eher zierliche Blätter sind, jedem Betrachter sofort auf. In ihrer Heimat, in den südöstlichsten Vereinigten Staaten von Nordamerika, säumen die Sumpfzypressenwälder die Ränder von Lagunen. Im recht feuchten, oft vom Wasser überfluteten Boden bilden die Wurzeln merkwürdige, knorrige Gebilde, sogenannte Knie, die aus dem Boden ragen und ihnen in dem luftarmen, nassen Boden als Atmungsorgane dienen. Bei unseren jungen Bäumen sind diese Knie, die der Besucher der Brissagoinseln bei den dortigen Sumpfzypressen beobachten kann, noch nicht zum Vorschein gekommen. Die Sumpfzypressen gehören zu den Nadelhölzern. Ihre Nadeln verfärben sich im Herbst rotbraun und fallen ab, ähnlich denjenigen der einheimischen Lärchen.

In den Neuanpflanzungen nordöstlich des Pumpwerkes versucht man es mit zwei weiteren Exoten, mit dem Mammutbaum (Sequoia gigantea) und dem Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera), die sonst bei uns als Parkbäume zu treffen sind. Der zu den Sumpfzypressengewächsen und damit zu den Nadelhölzern gehörende kalifornische RiesenMammutbaum wird in seiner Heimat über 100 Meter hoch, über 10 Meter dick und über 3000 Jahre alt, ein Alter also, das uns allen leider nicht mehr erlauben wird, die jetzigen Jungpflanzen als ausgewachsene Riesen zu bestaunen. Aber auch in ihrer jetzigen Größe, sie sind zum Teil erst etwas über mannshoch, fallen sie dem Beobachter auf durch ihre kurzen, dicken, dichtsitzenden Nadeln, die nicht abgeworfen werden. Ebenso auffällig und fremdartig erscheinen die hellgrünen, eigenartig vierlappigen Blätter des nordamerikanischen Tulpenbaumes. Er gehört zu den Magnoliengewächsen und wird, wenn die jetzt mannshohen Bäumchen größer sein werden, gelbliche, tulpenähnliche Blüten entwickeln. In der gleichen Neupflanzung wurden übrigens noch zwei Eisbeerbäume stehen gelassen, die in unseren Wäldern heute als Seltenheit gelten, früher aber gehegt wurden, weil ihre Früchte in den Brenntopf wanderten (Kernobstgewächs).

Schließlich finden wir die größte Exotensammlung im Bereich der Langen Erlen unter den Bäumen des Tierparkes. Der Sammeleifer, der im 19. Jahrhundert und anfangs des 20. Jahrhunderts die Gärtner und Gartenliebhaber erfüllte, fand auch hier seinen Niederschlag. Bei einigen der hier angepflanzten Arten mußte das Experiment allerdings mißlingen, so bei der Arve, diesem ausgesprochenen Hochgebirgsbaum. Anderen scheint Boden und Klima zuzusagen. So haben sich die vor Jahrzehnten angepflanzten Platanen zu riesigen Bäumen entwickelt, und auch die amerikanischen Roteichen, die Zuckerahorne und die Tulpenbäume fühlen sich nebst den bereits erwähnten Sumpfzypressen wohl. In der Gemeinschaft mit den exotischen Bewohnern der Gehege muten sie uns gar nicht mehr so fremd an; sie scheinen die besondere Stellung, die der Tierpark innerhalb der Langen Erlen einnimmt, noch zu unterstreichen.

Die Tierwelt
Für den beobachtenden wie auch für den nur Erholung suchenden Menschen bildet die Begegnung mit der mannigfaltigen Tierwelt der Langen Erlen immer wieder ein besonderes Erlebnis. Die Voraussetzung für den Tierreichtum liegt in erster Linie im Charakter des Auenwaldes selbst. Während beispielsweise ein reiner Buchenwald nur den ihn bevorzugenden Tierarten die von ihnen geforderten Lebensbedingungen bietet, finden im Auenwald mit seinem Baumartenreichtum, seinem Wechsel von Baumriesen und Unterholz die verschiedensten Bewohner die für ihr Leben nötigen Voraussetzungen. Kommt dazu noch das Zusammenwirken von Hochwald, Jungwald, Waldrand, Weiher, Fluß, Feld und Pflanzgarten wie in unserem Gebiet, so wundern wir uns nicht mehr, hier so viele verschiedenartige Wald- und Feldbewohner auf kleinem Raum anzutreffen. Zur Eigentümlichkeit dieser nahe beieinander liegenden Biotope gesellt sich als weiteres Plus für den Betrachter der fast vollständige Schutz, ja die sorgfältige Hege, welche die Tierwelt der Langen Erlen genießt, was sich bei den meisten Tieren in einer Verkleinerung der Fluchtdistanz auswirkt. Diese Zutraulichkeit gegenüber dem Menschen fällt besonders bei der hier außerordentlich artenreichen Vogelwelt auf, deren Beobachtung daher nirgends so lohnend ist wie in diesem Gebiet.

Schon zur Winterszeit, wenn der Naturfreund durch die «erstarrte Natur» wandert, pulsiert um ihn das Leben. Da sind es einmal die Meisen, die das ihnen gebotene Futter dankbar annehmen, die meisten sogar aus der Hand. So die Kohlmeise, die heute die auffälligste Vogelart des Erlenwaldes ist, die noch im Jahre 1935 in einem ornithologischen Bericht über das Gebiet zwischen Eglisee, Wiese und Entenweiherreservat mit nur ca. 8 Paaren und einem nachgewiesenen Nest angegeben wird. Die starke Zunahme ist sicher zum größten Teil auf die zahlreichen, aus Gründen der natürlichen Schädlingsbekämpfung aufgehängten Meisenkästen zurückzuführen, von denen auch Blau-, Sumpf- und Spechtmeisen profitieren. Neben diesen Meisenarten finden sich an den Futterstellen, etwa beim Entenweiher, noch andere regelmäßige Gäste ein: der häufigste Freibrüter unseres Waldes, der Buchfink, und sein naher Verwandter, der Grünfink, der Sperling natürlich und das flink daherhuschende Rotkehlchen oder auch die Amsel, die uns ja nachgerade aus unseren Hausgärten bis zum überdrusse bekannt ist. Gerade sie ist aber ein Musterbeispiel eines Vogels, der sich an den Menschen bestens angepaßt hat, ist sie doch erst in den letzten Jahrzehnten von einem scheuen Waldvogel zur «Kulturfolgerin» geworden. Wer bei der Beobachtung im Winterwald die nötige Vorsicht und Ausdauer zeigt, kann bei den zahlreichen Futterplätzen einmal scheuere Gäste betrachten: einen Buntspecht oder ein Trüpplein Gimpel, Kirschkernbeißer oder Erlenzeisige. Abgesehen von diesen Vögeln erscheinen zur Winterfütterung die zutraulichen Eichhörnchen, die den entzückten Kindern die Kerne oft aus der Hand holen.

Ist schon im Winter überall reiches Leben zu sehen, so wird dieser Reichtum im Frühjahr geradezu verwirrend. Wenn mit beginnender Brutzeit und nach der Rückkehr der Zugvögel die Vogelmännchen durch ihren Gesang ihr Territorium markieren, wird auch dem unaufmerksamsten Spaziergänger der Artenreichtum dieser gefiederten Welt deutlich. Gegen 50 Arten wurden in den letzten Jahren als Brutvögel nachgewiesen, die entweder die gebotenen Nistkästen annahmen — so neben den Meisenarten auch der prächtige Trauerschnäpper, dessen schwarz-weißes Männchen besonders schmuck erscheint — oder die in Baumhöhlen oder als Freibrüter in oft kunstvoll geflochtenen Nestern ihre Jungen aufzogen. Unter ihnen sei beispielsweise die Wasseramsel erwähnt, die sich von einem gewöhnlichen Amselweibchen durch einen großen weißen Kehlfleck unterscheidet und ihr Nest alljährlich unter das Brücklein beim Einfluß des neuen Teiches in den Riehenteich baut, oder unsere gefiederten Mäusejäger, der in der Dämmerung und Nacht jagende Waldkauz, der Mäusebussard und der Turmfalke. Letzteren kann man jeweils an einem Nistkasten beim Grendelmatthof besonders schön beobachten.

Auch die Hühnervögel sind unter den Brütenden vertreten; das scheue Rebhuhn und der auffällige Fasan haben in der Gegend des ornithologischen Reservates (Entenweiher) Quartier bezogen. Weiter zeigen die Spechte, der große Buntspecht, der Grau- und der Grünspecht, aber auch der Mittel- und der Kleinspecht, durch ihr Trommeln oder durch ihre auffälligen Lockrufe an, daß sie eine Niederlassungsbewilligung in den Langen Erlen besitzen. Nicht zuletzt entzücken alle Jahre wieder die jungen Stockenten und Bläßhühner auf den Entenweihern jung und alt.

Unter diesen Brutvögeln oder solchen, die durch ihr häufiges Singen im Verdacht stehen, irgendwo in diesem Gebiet zu nisten, hat es einige hervorragende Sänger. Allen voran natürlich die Nachtigall, deren Gesang Ende April bis Mitte Mai im Jungholz nördlich des Pumpwerkes zu hören ist. Dann die Singdrossel, deren Flötentöne denen der Amsel ähneln, jedoch durch die Wiederholung der Motive auffallen. Der Zaunkönig, dieser Vogelzwerg, frappiert uns durch seine Lautstärke, sein Gesang ist sogar ab und zu auch an schönen Wintertagen zu hören. Am Waldrand ist die Mönchsgrasmücke, auch Schwarzköpfchen genannt, die begabteste Sängerin. Die reinen, vollen Töne des Pirols, die vom Mai bis Juli gehört werden können, muten uns fast exotisch an. Um diese Goldamsel, deren goldgelb-schwarzes Männchen besonders auffällig gefärbt ist, beobachten zu können, braucht es jedoch einen guten Feldstecher und eine gehörige Portion Ausdauer, lebt der Vogel doch scheu in den Kronen der hohen Waldbäume. Auf den Gesang kann man sich nicht immer verlassen, denn oft steckt dahinter nur ein begabter Star, der die Tonfolge täuschend nachzumachen weiß.

Neben diesen Brutvögeln trifft der aufmerksame Beobachter der Langen Erlen ab und zu Vögel an, die hier nur ihre Nahrung suchen oder durchziehen. Hat man Glück, so sieht man etwa einen jagenden Habicht oder einen Fischreiher, einen prächtigen Eisvogel oder eine nordische Entenart.

Die Langen Erlen bieten dem Naturfreund die mannigfachste Anschauung, können hier doch allein über 100 Vogelarten alljährlich beobachtet werden. Daß es dazu nicht unbedingt unerhörten Glückes und eines auf morgens vier Uhr gestellten Weckers bedarf, soll die folgende kleine Schilderung zeigen.

An einem Aprilmorgen dieses Jahres ziehe ich wieder einmal mit meiner Klasse hinaus in die Langen Erlen, ins Gebiet der Entenweiher. Zwar stehen heute die Frühblüher des Frühlingswaldes auf meinem Programm, aber die anderen Eindrücke sind so zahlreich, daß ich es nicht über mich bringe, an besonders schönen Beobachtungsmöglichkeiten vorbeizugehen. Schon auf dem Felde zwischen Niederholz und Entenweiher lenken einige Vögel die Aufmerksamkeit auf sich. Hoch oben im Blau des Himmels zieht ein Mäusebußard ohne Flügelschlag seine Kreise, während sein naher Verwandter, der Turmfalke, ganz in unserer Nähe der Mäusejagd obliegt. Bald «rüttelt» er, an der gleichen Stelle in der Luft heftig mit den Flügeln schlagend, bald sitzt er auf einem nahen Baum auf dem Anschlag. Zwei, drei, vier schwarzweiße Elstern fliegen schwerfällig, schleppend in die nahen Schrebergärten; trotzdem sie als Nesträuber auf der Abschußliste des Försters stehen, sind sie hier recht zahlreich. Auch einige Stare überfliegen das Feld. Sie sind ja die ersten Zugvögel, die sich bei uns zurückmelden. Ihre hastigen Flügelschläge und ihre Größe läßt sie uns leicht erkennen. Wesentlich rascher und eleganter kommt jetzt ein Wildtaubenpaar geflogen. An ihrem gut sichtbaren weißen Flügelband erkennen wir die Ringeltaube. Die vordere der beiden fliegt plötzlich steil in die Luft, breitet dann den Schwanz aus und läßt sich gleiten, ein-, zweimal vorher mit den Flügeln klatschend: es ist das Männchen mit seinem charakteristischen Balzflug.

Plötzlich zeigt ein Knabe auf ein noch brachliegendes Ackerfeld nahe dem Waldrand: ein Hase! Obwohl wir noch recht weit weg sind, sehen wir einige Male deutlich die weiße «Blume», den kurzen Schwanz des Tieres. Aber nein — dort ist nicht nur ein Hase, sondern zwei, drei, vier, sechs, acht. Der ganze Acker scheint beim Näherkommen und genauer Hinsehen Hasen zu enthalten. Zehn Tiere zählen wir endlich. Sie dukken sich vorerst noch vor meiner Bubenschar, deren Jagdtrieb ich kaum noch in Zügel halten kann; wir sind jetzt schon ganz ungewöhnlich nahe herangekommen. Wahrscheinlich werden sie im nächsten Moment fliehen, aber nein, sie gewöhnen sich an uns, machen «Männchen», beginnen wieder mit ihren Ohren zu spielen und hopsen aufeinander zu. Und jetzt wird es mir klar, was ich vor mir habe: zehn bis über beide «Löffel» verliebte Hasen. Nun hoppelt die ganze Gesellschaft los, nicht etwa in wilder Flucht, sondern schräg auf uns zu, dann wendend, Haken schlagend und dies alles in gemächlichem Tempo. Voraus die Häsin, die mit ihrem verführerischen Parfum für die ganze Veranstaltung verantwortlich zeichnet, hintendrein die ganze verliebte Gesellschaft, die ab und zu die Häsin zu haschen versucht. Von uns nimmt man scheinbar gar keine Notiz mehr. Schließlich verschwindet die Freierschar samt ihrer Angebetenen im lichten Wäldchen. Wir wollen schon weiterziehen, da tauchen plötzlich wieder da und dort verstört erscheinende Hasen auf, die verzweifelt die Spur der entwichenen Häsin zu erschnüffeln suchen und dabei bis wenige Dutzend Meter an unseren Standort herankommen.

Noch während wir diesen vereinzelten Fährtensuchern zusehen, wird unsere Aufmerksamkeit unvermittelt auf eine Bewegung zwischen den Bäumen gezogen: vier Rehe (es sollen in dieser Gegend gar sechs bis acht «stehen») wechseln vorbei, sichern gegen uns herüber und verschwinden dann wieder langsam im Walde hinter den Entenweihern. Noch geraume Zeit kann man durch die Stämme ihre weißen Hinterteile, die «Spiegel», erkennen. Schließlich reißen wir uns fast gewaltsam von dieser Stelle weg, die uns in so kurzer Zeit so viel geboten hat. Dem Entenweiher gönnen wir noch einen Blick. Auch hier ist gerade Hochzeit: ein Erpel taucht dabei seine Ente ziemlich unsanft unter Wasser. Auch andere Stockenten schwimmen paarweise umher, sind sie doch schon seit letztem Oktober verlobt. Die Bläßhühner, im Volksmund meist «Taucherli» geheißen, lassen an Schnabel und Fuß sofort erkennen, daß sie nicht in die gleiche Familie wie die Enten gehören, sondern wie das hier ebenfalls lebende Teichhuhn zu den Rallen gezählt werden. Geschäftig schwimmen sie umher, fischen da ein Pflanzenstücklein auf und jagen dort streitsüchtig eine erschrockene Ente weg, die arglos zu nahe an die Niststelle des schwarzen Vogels herangeschwommen ist.

Jetzt machen wir uns aber doch noch im nahen Walde hinter die Frühblüher, den Lerchensporn, die Waldanemone, das Scharbockskraut und das Veilchen und untersuchen deren unterirdische Pflanzenteile, und zwar gleich neben einer anderen unterirdischen Anlage: dem Fuchsbau am Erlensträßchen. Hier konnte man letzten Sommer bei hellichtem Tage die Jungfüchse beobachten. Fuchs und Dachs gehören zwar zu den regelmäßigen Besuchern des Erlenwaldes, aber es kommt trotzdem nicht alle Jahre vor, daß hier auch Junge großgezogen werden.

Schließlich werfen wir noch einen Blick in die Blautännchenplantage nördlich des Entenweihers. Hier konnte ich fast regelmäßig den einen oder anderen Jagdfasan beobachten. Fasane sind eigentlich Fremdlinge in unserer einheimischen Vogelwelt. Sie wurden durch Jäger bei uns ausgesetzt. Die Henne ist bescheiden erdfarben, der Hahn herrlich bunt gefärbt. Der Vogel konnte sich nicht überall in unserem Lande behaupten, doch gerade unser Gebiet, das Feld und der nahe Wald, wo er sich nachts zum Schlafen aufbäumt, scheinen ihm zu behagen. Tatsächlich können wir auf unserer Exkursion zwischen den Blautannen einen der langschwänzigen, hühnergroßen, bunten Fasanhähne bemerken, der bei unserem Anblick rasch in Deckung geht.

So ziehe ich mit meinen Knaben heimwärts, bereichert durch eine Vielzahl von herrlichen Natureindrücken. Wahrlich, es lohnt sich für den Riehener, sich in den Langen Erlen umzusehen!

Liste der in den Langen Erlen nachgewiesenen Vogelarten Diese Angaben basieren auf intensiven Beobachtungen, die zwei junge Ornithologen, Eduard Fuchs aus Riehen und Christoph Imboden aus Basel, seit dem Jahre 1961 im Gebiet der Langen Erlen durchführen.

Brutvögel: Zwergtaucher Großer Buntspecht Singdrossel Höckerschwan Kleinspecht Fitislaubvogel Stockente Bergstelze Zilpzalp Bläßhuhn Bachstelze Waldlaubsänger Mäusebussard Neuntöter Gelbspötter Turmfalke Rotkopfwürger Gartengrasmücke Rebhuhn Wasseramsel Mönchgrasmücke Jagdfasan Zaunkönig Trauerschnäpper Hohltaube Hausrotschwanz Grauschnäpper Ringeltaube Gartenrotschwanz Nonnenmeise Grünspecht Rotkehlchen Blaumeise Grauspecht Amsel Kohlmeise Schwanzmeise Dohle Nachtigall Kleiber Rabenkrähe Teichrohrsänger Gartenbaumläufer , ,. Dorngrasmücke Buchfink Brutverdacht: Sommergoldhähnchen Grünfink Teichhuhn Goldammer Girlitz Waldkauz Zaunammer Haussperling Türkentaube Distelfink Feldsperling Kuckuck Hänfling Star Rauchschwalbe Gimpel Eichelhäher Mehlschwalbe Kernbeißer Elster Feldlerche Pirol Auf der Nahrungssuche oder als Durchzügler in den Langen Erlen: Weisstorch Großer Brachvogel Blaukehlchen Fischreiher Waldwasserläufer Schwarzkehlchen Knäckente Bruchwasserläufer Steinschmätzer Krickente Flußuferläufer Wacholderdrossel Pfeiffente Lachmöve Rotdrossel Tafelente Eisvogel Misteldrossel Spießente Wiedehopf Drosselrohrsänger Löffelente Heidelerche Wintergoldhähnchen Habicht Uferschwalbe Tannenmeise Sperber Baumpieper Rohrammer Roter Milan Wiesenpieper Bergfink Schwarzer Milan Wasserpieper Erlenzeisig Baumfalke Schafstelze Saatkrähe Wespenbussard Raubwürger Mauersegler Steinkauz Heckenbraunelle Waldohreule Braunkehlchen
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