1966

Der Riehener Medailleur Hans Frei

Hermann Aeppli

Riehen kann sich rühmen, eine verhältnismäßig große Zahl von Männern, die in der Geschichte oder im kulturellen Leben unseres Landes eine namhafte Rolle gespielt haben, zu den «Seinen» zählen zu dürfen. Sehen wir einmal vom großen Bürgermeister und Staatsmann Joh. Rud. Wettstein und vom berühmten mathematischen Genie Leonhard Euler ab, so bleibt eine ganze Reihe geistig schöpferischer Persönlichkeiten, die sich Riehen stets verbunden fühlten und die im schönen Winkel zwischen Wiese und Rhein eine Wahlheimat gefunden hatten. Denken wir nun an die Maler Hans Sandreuter, J. J. Lüscher, Willi Wenk, Paul Basilius Barth, Numa Donzé, den Marinemaler William de Goumois, den Bildhauer Otto Roos, an eine große Zahl bekannter Wissenschafter und an den großen Geiger Adolf Busch und den Pianisten Rudolf Serkin.

Wieso gehört unter diese «Auchriehener» auch der Medailleur Hans Frei? Kurz vor der Jahrhundertwende verehelichte er sich mit der jüngsten Tochter des Gemeindepräsidenten, Emma Wenk. (Hans WenkMarder leitete die Geschicke der Gemeinde von 1876 bis 1891.) Durch diese Heirat war er mit zahllosen Altriehenern verschwägert. Er hat später Riehen eine ganze Reihe seiner schönsten Arbeiten geschenkt. Erinnern wir nur an die entzückende bronzene Brunnenfigur an der Tramhaltestelle Burgstraße, die der Künstler zur Vierhundert-Jahr-Feier der Vereinigung Riehens mit Basel geschaffen hat. Zum gleichen Anlaß schenkte er uns auch das Abzeichen mit dem Basler Fähnrich, der sich schirmend über das Riehener Wappen stellt, und schuf er den Basler Bannerträger mit dem Bettinger Wappen, eine getriebene Arbeit von 23 x 27,5 cm, die Bettingen der Schwestergemeinde Riehen zur Jahrhundertfeier überreichte. Der große gegossene Zinnteller, der das gleiche Motiv trägt wie das obenerwähnte Abzeichen, schmückt die «gute Stube» in manchem Riehener Haus. Zu den überzeugendsten Arbeiten, die Hans Frei getrieben hat, gehört die kleine Medaille mit dem feinnervigen Mädchenkopf zum «Schiesset der Schützengesellschaft Riehen». Der Künstler hatte seit 1918 sein eigenes Atelier unmittelbar bei der Tramhaltestelle Pfaffenloh gebaut. Wenige Jahre später gab er sein Haus am Gatternweg auf und siedelte mit der Familie in das Wohnhaus über, das er an sein Atelier hatte anbauen lassen. Darin verschied er dann auch im März 1947 nach langjähriger schwerer Krankheit. In engerer Beziehimg zu Riehen stand auch eines seiner letzten Werke: Die Gußmedaille mit dem Bildnis des einstigen Basler Landvogtes von Riehen, Johann Rudolf Wettstein. Wie man sieht, ist es gewiß nicht unrecht, wenn die Riehener Hans Frei stolz zu den Ihren rechnen. Er war zweifellos einer der Größten in der Geschichte der Schweizer Medaillenkunst. Es ist eine feststehende Tatsache, daß sich nur die wenigsten Kunstfreunde ein richtiges Bild vom Wesen der Medaille und Plakette machen. Vor allem gilt es, sich immer vor Augen zu halten, daß die Medaille kein Geldstück ist. Von den sogenannten Talern aus ergeben sich Verwechslungen zwischen derartigen Denkmünzen und Geldstücken mit Kurswert. Sie ist ein freies Kunstwerk und darum viel weniger Einschränkungen und Bedingungen unterworfen als die Münze. Der Medailleur braucht keine Rücksicht darauf zu nehmen, daß seine Arbeiten aufeinandergeschichtet und in Rollen verpackt werden können und sich ihr Relief im ständigen Verkehr von Hand zu Hand nicht abschleife. Er bleibt nicht an bestimmte Größen gebunden. Konsequenterweise hält er sich auch nicht immer an die übliche, kreisrunde Form: nach Belieben wählt er oft auch das Oval, das Rechteck, die Raute u. a. und schafft so Plaketten.

Auch in der Wahl des Sujets steht dem Medailleur große Freiheit zu Gebote. Bringt die Münze das Bildnis oder Wappen des Münzherrn, allenfalls eine allegorische oder historische Gestalt, so wird auf der Medaille alles Erdenkliche dargestellt, von der Allegorie, dem Tierbild, dem Menschenleben und Architektur bis zum Stilleben. Ein Hauptgebiet der Medaille ist aber (und wird es wohl immer bleiben) das Portrait. Die Dauerhaftigkeit des Metalls muß sie als besonders geeignet erscheinen lassen, die Bildnisse von Herrschern, von Größen der Wissenschaft und der Kunst der Nachwelt zu überliefern. Dieser Brauch flößt aber manchem Sterblichen Bedenken ein, von sich selbst ein Porträt auf einer Medaille oder Plakette anfertigen zu lassen. Es kommt ihm als eine Selbstüberhebung vor. Und doch sind solche private Porträtplaketten auch für den Außenstehenden von einzigartigem, intimem Reiz. Man halte nur einmal die deutschen Renaissanceplaketten mit Bildnissen von Bürgersleuten vor Augen, von denen wir heute nichts kennen und besitzen als eben dieses Abbild, man betrachte eines der Familienporträts, wie sie der Franzose Roty geschaffen hat, und man wird den Zauber, der von diesen Kunstwerken ausgeht, gewiß fühlen.

Gegenüber den Werken der Malerei und Bildhauerei genießt die Medaille den Vorteil der Vervielfältigungsmöglichkeit, einen Vorzug, den in diesem Maße nur noch Stiche, Radierungen und Holzschnitte haben. Diese Kunstgattungen haben übrigens noch in mancher Beziehung ähnlichkeit und Verwandtschaft mit der Medaille und der Plakette, besonders was ihren intimen Charakter anbelangt.

Aus Altertum und Mittelalter kennen wir mit wenigen Ausnahmen nur Münzen. Die Medaille ist ein Kind der Renaissance. Im Glauben, sich an antike Vorbilder zu halten, schuf diese große Epoche eine neue Kunstform. Sie breitete sich rasch aus, denn sie entsprach dem Wesen des Renaissancemenschen: sie ermöglichte die Verherrlichung seiner Persönlichkeit, sie erlaubte ihm, sein Andenken, weit über die Grenzen seines Daseins hinaus, für eine Ewigkeit lebendig zu erhalten.

Einer der ersten Meister auf dem Gebiet der Medaille, Vittorio Pisano, erreichte darin bereits einen Grad der Vollkommenheit, der kaum mehr übertroffen worden ist. Nach ihm sind einige der bedeutendsten italienischen Medailleure: Matteo Pasti, Sperandio, Giovanni Bolde, Francia, Caradosso, Leone Leoni. In fast allen Städten Italiens blühte die neue Kunst. Auch im übrigen Europa fand sie bald Eingang, so in Südfrankreich, den Niederlanden und Deutschland. Die Hauptsitze der deutschen Medaillenkunst waren damals Nürnberg und Augsburg, wo Dürer, Hans Schwarz und Friedrich Hagenauer als ihre wichtigsten Vertreter wirkten. Auch zwei Schweizer Renaissancemeister gehören hier erwähnt: der aus dem Thurgauischen stammende Peter Flötner und Jakob Stampfer aus Zürich.

Im Barock erfreute sich die Medaille großer Beliebtheit. Ein bedeutender Künstler dieser Zeit ist der Schwyzer J. C. Hedlinger. Der Blütezeit folgte eine Periode des langsamen, stetigen Zerfalls. Die Medaille entartete und sank in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf einen ganz betrüblichen Tiefstand. Den Franzosen danken wir es, wenn Medaille und Plakette von neuem künstlerischen Aufschwung nahmen und dadurch wieder zu Ehren kamen. Am 2. Mai 1868 hielt Dumas, der Präsident des «Comité consultatif des graveurs» in Paris, einen denkwürdigen Vortrag, in dem er die Erneuerung des Medaillenstils forderte. Er fand erstaunlichen Widerhall. Oudiné und Ponscarme griffen seine Anregungen und Vorschläge auf, und von 1870 an erlebt die Medaille eine herrliche Wiedergeburt. Die Namen Degeorge, Chapu, Chaplain, Dupuis u. a. errangen Weltruf. Sie alle aber wurden überragt durch Oscar Roty, den größten Medailleur des letzten Jahrhunderts.

Bald setzte sich auch in österreich der neue Medaillenstil durch. Der Hauptvertreter der Wiener Schule ist Scharff. In Deutschland dagegen kam die Reform der Denkmünze erst bedeutend später. Sie ging dann sehr rasch ihre eigenen Wege und stellte sich der französischen Manier schroff entgegen. Besonders die Münchner Medailleure (Hildebrand, Dasio, Goetz, Schwegerle u. a.) lehnten die französische Schule ab und hielten sich direkt an die Renaissancevorbilder. Viele von ihnen verdammten die Reduktionsmaschine, die in Paris eine große Rolle spielte und zogen den Guß der Prägung vor.

Gewisse Vorwürfe gegen die französische Medaille sind berechtigt. Die Reduktionsmaschine ermöglicht es, die Medaille bedeutend größer zu entwerfen, als sie nachher ausgeführt wird. Das verleitet natürlich manchen Künstler, beim Schaffen des Modells Détails einzufügen, die bei der Reduktion auf einen Bruchteil der ursprünglichen Größe kleinlich und geziert wirken müssen. Doch haben die bedeutenden unter den Pariser Medailleuren die nachfolgende Verkleinerung stets im Auge behalten und begingen deshalb selten diesen Fehler.

Den Vorwurf einer gewissen Süßlichkeit kann man den Franzosen nicht immer ersparen. Aber immerhin hat Roty Meisterwerke geschaffen, wie etwa das Doppelporträt «Pierre und Caroline Boulanger» und die Medaille auf M. E. Chevreuil, hat Chaplain seine Denkmünze auf Jean Léon Gérome herausgebracht, während man in Deutschland immer noch die altüblichen, gänzlich unkünstlerischen Medaillen mit unmäßig hohem Rand, geschmackloser Druckschrift, nach immer gleichem Schema prägte und goß oder besser fabrizierte. In der Zwischenzeit hat allerdings die Medailleurkunst auch in Deutschland eine recht hohe Stufe erreicht. Ihre Werke zeichnen sich durch individuelle Eigenart und durch monumentale Einfachheit aus.

Es ist verständlich, daß sich der Schweizer Hans Frei, als er sich 1894 zum Medailleur ausbilden wollte, nach Paris wandte. Stand er anfänglich vielleicht etwas stark unter dem Einfluß der französischen Schule, so wußte er sich später davon zu befreien, und in seinen reifen Werken gelang es ihm, die Feinheiten der französischen Medaillentechnik mit kraftvollem schweizerischen Wesen zu jener harmonischen Einheit zu verbinden, die wir an seinen Arbeiten schätzen.

Hans Frei Hans Frei wurde am 30. April 1868 in Basel geboren. Er erblickte das Licht der Welt in einem der Neuzeit zum Opfer gefallenen, idyllischen Stück Kleinbasel, dem «Sägerstübli» des Ratsherrn Amadäus Merian im Sägergäßlein.

Sein Vater war aus dem Aargauischen zugewandert und betrieb das Handwerk eines Sägemeisters. Seine Mutter, eine geborene Küttel, stammte aus Vitznau. Das elterliche Geschäft blühte nicht sonderlich, die Familie wechselte recht oft ihre Wohnung, so daß der junge Hans sich bald in manchem Gäßlein von Groß- und Kleinbasel auskannte und zu Hause fühlte.

Mit sechs Jahren erkrankte er an einer schweren Mittelohrentzündung. Eine falsche Behandlung hatte für Hans Frei dauernde Schwerhörigkeit zur Folge, ein Gebrechen, das ihm sein Vorwärtskommen sehr erschwerte. Schon in der Schule am Lindenberg, in die er bald darauf eintrat, stieß er darum oft auf Unverständnis. Einen Schularzt, der die Lehrer auf das schlechte Gehör des Jungen aufmerksam gemacht hätte, gab es damals noch nicht, so wurde er eben als störrisch und unaufmerksam behandelt und bestraft. Seinem zeichnerischen Talent schenkte man wenig Beachtung, obwohl er schon in der ersten Klasse sich stundenlang damit unterhalten konnte, die Bildchen in seiner Fibel nachzuzeichnen und immer wieder nachzuzeichnen, und seine schriftlichen Arbeiten später stets mit wunderlichen Initialen schmückte. Damals verblüffte er auch hie und da Bekannte, wenn er den Kopf Napoleons III., den er von den französischen Geldstücken her kannte, überall und jederzeit genau aufs Papier werfen konnte; aber damit hatte es sein Bewenden, niemand maß dieser Begabung irgendwelche Bedeutimg zu.

Frei sollte nach Beendigung seiner Schulzeit den Kaufmannsberuf ergreifen; seine Schwerhörigkeit zwang aber den Vierzehnjährigen, sich einem Handwerk zuzuwenden. Er wurde in ein Tapezierergeschäft gesteckt; die Arbeit in dieser Werkstatt widerstrebte ihm aber derart, daß er nach einem Vierteljahr wieder herausgenommen werden mußte.

Er kam zu einem Graveur in Basel in die Lehre, nachdem seine Mutter vernommen hatte, ein Graveur «sei einer, der Geld mache», und sich erinnerte, wie ihr Junge als Kind alles Geld so gut hatte nachzeichnen können. Vom Geldmachen sah allerdings Frei in seiner Lehrzeit wenig, er lernte Messingstempel und Firmenschilder feilen und polieren, später gravieren; es schien sogar, als sollte ihm auch dieser Beruf versagt sein: nach einem Jahr wollte ihn sein Lehrmeister als ungeschickt und ungeeignet entlassen. Er dankte es nur der Fürsprache seiner geduldigen Mutter, daß er weiter bleiben durfte.

Nach Abschluß der Lehrzeit arbeitete Frei bei seinem alten Meister weiter und besuchte am Abend die Kurse der «Zeichnungs- und Modellierschule der Gesellschaft des Guten und Gemeinnützigen», der Vorgängerin der heutigen Allgemeinen Gewerbeschule. Er erhielt dort einen Preis im Modellieren und eine Ehrenmeldung im Freihandzeichnen.

Bald packte ihn aber die Lust, sich einmal in der Fremde umzusehen. Als einfacher Handwerksbursche begab er sich 1889 mit einem Basler Freund auf die Wanderschaft. Es war eine richtige «Walz» nach alter Väter Sitte, welche die beiden auf Schusters Rappen über Konstanz nach München führte. Unterwegs gravierte Frei das Besteck der Wirtsleute, schmückte die Maßkrugdeckel der Stammgäste in den bayrischen Gasthöfen mit Namen und Monogrammen und verdiente sich so sein Schlafgeld und seinen Zehrpfennig.

In München fanden die beiden keine Beschäftigimg, bald waren sie darum auf dem Weg nach österreich. In Wien erhielten sie Arbeit. Auch hier unterließ es Frei nicht, sich außerhalb der Zeit, die er in der Werkstatt verbringen mußte, weiterzubilden. Er besuchte die Goldschmied- und Ciselierschule unter Prof. Schwarz. Hier mag vielleicht der Gedanke, Künstler zu werden, in ihm Fuß gefaßt haben. Noch wagte er nicht recht daran zu glauben, und ehrfurchtsvoll blickte er zu den Werken des Medailleurs Scharff und seiner Schule auf. Scharff stand ja damals in Wien auf der Höhe seines Schaffens.

Nach einem Jahr trieben Wanderlust und Bildungshunger Frei wieder weiter. Mit dem gleichen Kameraden, der ihn schon nach Wien begleitet hatte, walzte er durch Böhmen nach Dresden. Es war köstlich, den Künstler von jener Fahrt erzählen zu hören, wie er im Böhmerwald beinahe unter die Räuber fiel, wie er von den tschechischen Gesellen durchgebläut werden sollte, weil er Deutscher sei, und wie ihn die Deutschen verprügeln wollten, weil sie seinen Schweizerdialekt für «Böhmisch» hielten. Er erhielt dabei einen kleinen Einblick, wie man im Osten die Nationalitätenfrage zu lösen versuchte.

Von Dresden kam Frei nach der Reichshauptstadt und fand bei einem Graveur Arbeit, wo er gegossene Renaissance-Plaketten nachziselieren mußte. Doch blieb er nicht lange in Berlin, wandte sich nach Hamburg und Bremen und arbeitete noch einige Zeit in Köln. Aber es verlangte ihn bald nach Hause, er kehrte nach Basel zurück und nahm Stellung bei seinem alten Lehrmeister an.

Während der zwei Jahre, die er nun in seiner Heimatstadt verbrachte, besuchte er wieder die Gewerbeschule. In diese Zeit fällt der Tod seiner Mutter. Der Künstler sprach von ihr als einer «stillen, gottesfürchtigen und äußerst fleißigen Frau, die ihn frühzeitig auf alles Schöne und Göttliche in der Natur aufmerksam machte». Es war wohl die Mutter, die Frei an Basel gefesselt hatte; nachdem er sie verloren, sehnte er sich wieder nach der Fremde. Er machte deshalb eine Eingabe um ein Stipendium, es wurde ihm auf Empfehlung seines Lehrers Hollubetz gewährt.

Nun konnte er sich in Genf unter den Professoren Salmson und Jerdellet in der «Ecole des Arts Industriels» im Ciselieren und Modellieren weiter ausbilden. Nach einem Jahr wußte er, wo seine stärkste Begabung lag: in der Medaille. Die Kunst des Medailleurs erlernte man damals nirgends besser als in Paris, wo seit 25 Jahren Medaille und Plakette einen außerordentlichen Aufschwung genommen hatten, wo ein Roty und neben ihm eine große Anzahl anderer Medailleure wirkten. Darum kam Frei um eine Erhöhung seines kleinen Stipendiums ein. Es wurde ihm ein bescheidener Zuschuß bewilligt.

So langte Hans Frei 1894 in Paris an, wurde Schüler der «Ecole des Arts Décoratifs» und der «Académie Julian» und arbeitete in den Ateliers der Bildhauer Charpentier und Puech. Sein Traum, als Schûlt. von Oscar Roty aufgenommen zu werden, ging nicht in Erfüllung; seine spärlichen finanziellen Mittel reichten dazu nicht aus. Doch mußte der berühmte Meister seine Begabung erkannt haben, denn er korrigierte und begutachtete die Arbeiten des jungen Baslers, der ihn allwöchentlich aufsuchen mußte, auch sprach er hie und da in seinem Atelier vor.

Paris war von jeher das Ziel der meisten jungen Schweizer Künstler. Frei kam bald mit manchem von ihnen in Berührung. Enger schloß er sich an die Bildhauer Max Leu, Rodo von Niederhäusern und an den Basler Maler Burkhard Mangold an.

Ziemlich rasch machte sich Frei selbständig. Modelle für Goldwarenund Bijouteriefabriken waren sein Haupterwerb. Aber er schuf auch schon seine ersten Medaillen. Bereits im Jahre 1894 erhielt er von der Basler Allemandi-Stiftung den Auftrag, eine Hochzeitsmedaille anzufertigen. Im selben Jahr brachte er auch seine beiden ersten Porträtmedaillen mit den Bildnissen des Basler Ratsherrn J. J. Im Hof und der Jeanne Im Hof heraus. Zu jener Zeit stand dem jungen Künstler der Kunstmaler Dr. Ernst Stückelberg in Basel oft als väterlicher Freund und Berater zur Seite.

In den folgenden Jahren seines Pariser Aufenthaltes schuf Frei eine ganze Reihe von Medaillen und Plaketten, darunter solche von Pestalozzi, Adrian von Bubenberg, Erasmus von Rotterdam, ferner eine Anzahl Porträts von Angehörigen alter Basler Familien und sein erstes Selbstbildnis.

In seiner Heimatstadt hatte er mit seinen Arbeiten verhältnismäßig raschen Erfolg. Dazu mag zum Teil beigetragen haben, daß es damals in der Schweiz sonst keinen Medailleur von Bedeutung gab, aber der Hauptgrund für das schnelle Vorwärtskommen Hans Freis lag doch in seinen künstlerischen Qualitäten und in seiner Beherrschung der Medaillentechnik, die er sich dank seiner handwerklichen Vorbildung als Graveur und Ciseleur geschwinder anzueignen vermochte als ein anderer.

Die ersten Arbeiten waren völlig in der französischen Manier befangen und machten Konzessionen an den etwas süßlichen Geschmack, der um die Jahrhundertwende herrschte, aber doch schreibt Lugrin mit Recht über diese ersten Werke des Künstlers: «Il y a ici, comme en germe, avec un peu d'hésitation, quelques unes des qualités qui vont distinguer notre artiste: un modèle correct, de justes proportions, une entente de la perspective qui fait de celle-ci un auxiliaire propre à rehausser les objets importants, de l'unité, en un mot.»

Frei wandte sich im Herbst 1898 wieder nach Basel, wo er sich nun für dauernd niederließ. Er blieb aber stets in reger Verbindung mit Paris, noch ein ganzes Jahrzehnt hielt er sich ein zweites Atelier in der französischen Hauptstadt. Er selbst erklärte in einem Vortrag, daß die regelmäßigen Reisen nach Paris immer auf ihn wirkten wie ein erquickendes Bad, von dem er erfrischt und schaffensfreudig zurückkehre.

Paris war eben damals die Stadt der Medaille par excellence. Nirgends wurde dem Künstler so viel Verständnis entgegengebracht wie in den Pariser Prägeanstalten, besonders an der Münze. Dort konnte er sämtliche Arbeiten an seinen Medaillen, von der Reduktion und Anfertigung der Stempel und Matrizen bis zur Prägung und Oxydierung beobachten und überwachen und hier auch änderungen an der Gravur und sonstige Korrekturen vornehmen. Wohl existierten auch in der Schweiz Prägeinstitute, doch die staatliche Münze in Bern befaßte sich wenig mit der Anfertigung von Medaillen, und die privaten Anstalten standen mit dem freischaffenden Künstler im Konkurrenzkampf. Sie empfanden ihn eher als einen lästigen Störer, weil sie selber eigene Zeichner, Modelleure und Graveure hielten und mit diesem Personal massenhaft Medaillen fabrizierten. Oft sind diese Medaillen nur mit dem Fabrikzeichen versehen, und die Signatur des Künstlers fehlt darauf vollständig, als ob die Prägung und nicht der Entwurf und das Modell die Hauptsache an einer solchen Arbeit wären.

Der Medailleur mußte sich aber nicht nur, wenn er eine einwandfreie Prägung seiner Arbeiten wünschte, nach Paris wenden, er fand dort auch die besten Gießer. Unter ihnen war der hervorragendste A. Liard. Er war der letzte Abkömmling einer Gießerfamilie, die ihm geheime Regeln und Rezepte hinterlassen hatte. Ein Liardguß ist der Inbegriff eines guten, feinkörnigen und fehlerfreien Gusses. Die Medailleure bewarben sich um Liards Gunst, auch Frei ließ viele seiner Werke bei ihm gießen. Leider nahm Liard aus Stolz und Ergeiz das Geheimnis seiner Legierungen und seiner Arbeitsmethoden mit ins Grab. Seither hat niemand mehr mit so virtuoser Vollendung zu gießen vermocht. Die Anregungen, die Frei aus den regelmäßigen Ausstellungen empfing, die Möglichkeit selber ausstellen zu können, der Kontakt mit andern Medailleuren und mit Liebhabern der Medaille, die sich stets in der französischen Hauptstadt einfanden, zogen neben den technischen Gründen Frei immer wieder nach Paris. Trotzdem war sein Entschluß, sich wieder in der Schweiz niederzulassen, für ihn vom künstlerischen Standpunkt aus sicher von Vorteil gewesen. Frei war seinem Wesen nach eben doch Schweizer. Er hätte sich wahrscheinlich in Paris nicht so rasch und entschieden zu sich selbst, zu seiner charakteristischen, kraftvoll-einfachen Art durchgefunden, die seine reifen Werke aufweisen.

Schon 1898 erhielt der Künstler die ersten offiziellen Aufträge: er schuf die Medaillen zur Eröffnung des Schweizerischen Landesmuseums in Zürich und zur Erinnerung an den Nidwaldner Heldenkampf von 1798. In das gleiche Jahr fiel auch das vortreffliche Porträt des Basler Kultur- und Kunsthistorikers Jakob Burckhardt, das viel Anklang und rasche Verbreitung fand.

1898 verlobte und 1899 verehelichte sich Hans Frei mit Emma Wenk, der Tochter des damaligen Gemeindepräsidenten von Riehen. Eine Plakette mit Doppelbildnis erinnert an das Ereignis.

Freis Name bekam über die Grenzen unseres Landes hinaus Klang.

An der Pariser Weltausstellung von 1900 erhielt er seine erste Preismedaille. Die Stadt Lübeck gab ihm den Auftrag zu Entwurf und Ausführung einer Denkmünze für die Eröffnung des Elbe-Trave-Kanals.

In den folgenden Jahren schuf er eine große Zahl von Schützenmedaillen. Die Schützenprämien gehören zu den unterm Schweizervolk am meisten verbreiteten Medaillen. Sie könnten darum eine große Aufgabe für die künstlerische Erziehung breiter Schichten übernehmen. Wenn sie diese Bedeutung wenigstens bis zu einem gewissen Grad erlangt haben, so gebührt der Dank nicht zum kleinsten Teil Hans Frei, der seit der Jahrhundertwende über dreißig künstlerische Schützenmedaillen herausgebracht hat. Allerdings wird die Schützenprämie im allgemeinen ihre erzieherischen Aufgaben schwerlich erfüllen können, solange neben ernsten Arbeiten billige Geschmacklosigkeiten sich breitmachen, solange in den zuständigen Komitees nicht immer auch Künstler und andere kompetente Kenner vertreten sind, die weniger einsichtige Mitglieder auf die Unterschiede zwischen gediegenem Künstlerschaffen und gewöhnlicher Fabrikarbeit aufmerksam machen. (Eine Forderung, die Frei schon vor über 50 Jahren aufstellte und die bis heute so gut wie unerfüllt blieb. Sie gilt auch für manche andere Feste und Feiern, an denen Erinnerungszeichen ausgegeben werden.) Neben den Schützenmedaillen schenkte uns Frei in den ersten Jahren nach seiner Rückkehr aus Paris noch eine schöne Anzahl anderer Arbeiten, die auf bedeutsame Ereignisse in unserem Vaterland Bezug nehmen. Ich erinnere an die Plaketten zur Basler- und zur Waadtländer Bundesfeier, an die Medaille zur Stiftungsfeier der Zürcher Universität und besonders an die Denkmünze zum Simplon-Durchstich, zu der Frei Studien im Tunnel selbst machte. In dieser Zeit schuf er auch viele Porträts, so neben manchen andern die Bildnisse des Malers Stückelberg, des Numismatikers Imhoof-Blumer und verschiedene des Landesmuseumsdirektors Dr. H. Angst.

Trotz seiner großen Tätigkeit als Medailleur — der Werkkatalog Lugrins umfaßt Ende 1907 schon über 100 Nummern — fand der Künstler immer noch Zeit, sich auch als Ciseleur und Graveur hervorzutun. Staats- und Notariatssiegel, Schmuck, Grabtafeln und andere kunstgewerbliche Gegenstände zeugen von seinem Können auf diesen Gebieten.

Frei war um 1907 der anerkannte Schweizer Medailleur. Der Münzkenner L. Forrer würdigte ihn einer eingehenden Besprechung in seinem «Biographical Dictionary of Medaillist»; die Numismatiker Konsul Dr. Meili in Zürich und Ernest Lugrin in Lausanne veröffentlichten Broschüren über ihn. Der Holländer H. J. de Dompierre de Chaufepié bildete die Großzahl von Freis Arbeiten in seinem Tafelwerk «Médailles et Plaquettes Modernes» ab. Er erhielt eine Reihe von Porträtaufträgen aus dem Ausland, so fertigte er die Bildnisplakette von mehreren großen Chemikern an; ich erinnere an die Deutschen Graebe, Lunge, Bohn und Duisberg, an den Amerikaner Barkan. Dabei stand Frei erst an der Schwelle seiner Meisterjahre. Er hatte sich nun materielle Unabhängigkeit errungen. Seine Werke bekommen den ausgeprägt persönlichen Charakter. Die Pariser Vorbilder üben nicht mehr ihren dominierenden Einfluß aus. Nie wird Frei zwar verleugnen können, wo er sich geschult hat, aber ebensowenig bleibt er Epigone. Mit einer Selbstverständlichkeit, die an die großen Meister der Renaissance erinnert, läßt sein Formgefühl ihn die beste Aufteilung der Flächen finden, sei es nun beim Rund einer Medaille, beim Rechteck oder Oval einer Plakette. Wie wenige versteht er, im Material zu arbeiten; wie wenige weiß er mit kargen Mitteln auszukommen. Aus seinen Porträtmedaillen erkennt man, daß klares, plastisches Gestalten sein sicherer Besitz geworden ist. Die Schrift behandelt er als durchaus nicht nebensächlich, er paßt sie bewußt in das Gesamtbild ein. Röthlisberger im Schweiz. Jahrbuch für Kunst und Handwerk, 1912, spricht von ihm als einem Künstler, der sicheres Urteil in dekorativen Bewertungen, feines Empfinden für plastische Wirkung mit einem sinnig-poetischen Schaffen einigt.

In den Jahren von 1908 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges schenkte uns Frei ein weiteres Hundert von Medaillen und Plaketten, darunter wieder eine große Zahl von offiziellen für Schützen- und Turnfeste, Ausstellungen und andere Feierlichkeiten. Er schuf Bildnisse, die in ihrer Ausdruckskraft und formalen Präzision den besten Arbeiten Rotys ebenbürtig sind, man denke nur an den Kopf des Baslers Samuel Baur oder des Dichters Joseph Victor Widmann. Der Revers der Medaillen ist oft ungemein zart, wie hingehaucht, ausgesprochen malerisch behandelt. Das Wort «Stimmungsmedaille» ist bei diesen Arbeiten sehr wohl angebracht.

Am schönsten tritt uns Freis Kunst und Können in seinen freien Arbeiten entgegen, wo er auf Geschmack und Wünsche der Auftraggeber keinerlei Rücksicht zu nehmen braucht. Hier spricht uns sein Schaffen am freiesten und natürlichsten an. «Titanenkampf», «Salome», «Danae», und vor allem der «Schmerz» und das «Erwachen» zeigen uns den Künstler von einer Seite, die naturgemäß, aber bedauerlicherweise nicht so bekannt sein kann wie etwa seine Festmedaillen.

Das gleiche gilt von den Kinderporträts, die Frei in dieser Zeit schuf. Der Kunstkritiker Dr. Trog schrieb darüber in der «Neuen Zürcher Zeitung»: «Eine eigentliche Spezialität hat sich der Künstler aus der Darstellung von Kindern auf Plaketten gemacht; für die weichen, unpräzisen, verschwommenen Formen von Bébés findet er den delikatesten, formalen Ausdruck; gerade hier feiert seine Kunst des leise, zart Andeutenden, des malerisch Flaumigen wahre Triumphe.»

Weiche, zartandeutende Formen sind tatsächlich ein Charakteristikum vieler Arbeiten Freis, und zwar nicht nur seiner Kinderbildnisse. Wenn wir sie bei andern Medailleuren nicht finden, so liegt das an der einzigartigen Technik Freis. Hat er in seinen Anfängen wie seine Lehrmeister und fast alle Medailleure seine Arbeit nach dem zeichnerischen Entwurf groß in Wachs modelliert und dieses Wachsmodell abgegossen, um es hierauf reduzieren und prägen oder gießen zu lassen, so ist er bald von dieser Methode abgekommen. Er konnte das allerdings nur, weil er über die hohe Forderung Rotys an seine Schüler (wie ein Maler zeichnen, wie ein Bildhauer modellieren, wie ein Stecher und Radierer schaffen) hinaus auch noch das Handwerk des Ciseleurs vollständig beherrschte. Er hörte allmählich auf, in Wachs zu modellieren, und begann immer häufiger, seine Entwürfe direkt in Silber-, Kupfer-, Messing- oder Eisenblech zu treiben. (Von fast allen seinen späteren Werken existiert also ein getriebenes Original.) Durch diese Arbeitsmethode verlieren seine Werke alle Härten und Schroffheiten, die manchen modellierten anhaften; sie erhalten Körper, Weichheit und Reiz des handwerklich Echten. Allerdings werden schwerlich viele sein Arbeitssystem anwenden, da es ein gewaltiges technisches Können voraussetzt. Aber es ist Bedingung für Kunstwerke wie etwa das Porträt von Samuel Baur. Auch die Methode, die vielfach von deutschen Künstlern angewandt wird, den Entwurf als Negativ vertieft in Gips oder weichen Stein einzugravieren, erzielt nicht dieselbe Wirkung.

Freis Methode hat übrigens noch einen weiteren Vorteil. Sie erlaubt ihm, seine Entwürfe viel kleiner auszuführen, als es beim Modellieren möglich wäre. Dadurch fallen die Gefahren einer Reduktion für geprägte Medaillen weit weniger schwer ins Gewicht als nach den üblichen, weit größeren Wachsmodellen. Für manche Gußmedaillen fertigte Frei das Original überhaupt schon im richtigen Maßstab an, so daß eine mechanische Verkleinerung später ganz dahinfiel.

Frei versuchte in jenen Jahren Medaille und Plakette auch in den Familien wieder lebendig werden zu lassen. Die Bildnisse von seiner Frau und seinen Töchtern, der Taufbatzen für seine Jüngste beweisen, daß solche Erinnerungsstücke von wunderbarem, intimem Reiz sein können.

Studienreisen führten Frei 1909 nach Italien, den Rheinlanden und Holland, 1910 und 1913 nach Belgien, 1902 und 1913 nach München.

1910 erhielt er die silberne Medaille der Weltausstellung von Brüssel, 1911 einen Rompreis der Internationalen Kunstausstellung in Rom, und 1913 wurde ihm von der Internationalen Kunstausstellung in München die goldene Medaille zuerkannt.

Der Erste Weltkrieg blieb nicht ohne Einwirkungen auf Hans Frei. Seine Beziehungen zum Ausland wurden vielfach unterbunden. Einige freie Arbeiten zeigen, welchen Einfluß das Völkermorden auf seine feinfühlige Künstlernatur ausübte. Unheimlich und erschütternd ist sein «Schrei der Mütter» (siehe Abbildung nebenan). Die ovale Plakette für die Schweiz. Nationalspende, die gegen Ende des Ersten Weltkrieges herauskam, erreichte eine nahe an die Millionengrenze gehende Auflageziffer, eine in der Geschichte der schweizerischen Kunstplakette wohl bis heute einzig dastehende Zahl. Kuriositätshalber sei erwähnt, daß zu dieser Arbeit der damals noch sehr jugendliche Walter Eglin, der in jener Zeit im Grenzamt Riehen-Stetten als Grenzwächter Dienst tat, Modell gestanden ist. Dieser Oberbaselbieter Künstler Walter Eglin hat sich bekanntlich später mit den Mosaiken am Kollegiengebäude der Universität Basel einen Namen geschaffen.

Während des Krieges und nach Friedensschluß schuf Frei wieder viele ausgezeichnete Porträts; ich erinnere an die Bildnisse von Carl Spitteier, Gottfried Keller, Ulrich Zwingli, an das Doppelbildnis J. A. und J. C. C. Lugrin, wieder viele offizielle Medaillen, wie zum Beispiel die große goldene Medaille, die der Bundesrat dem amerikanischen Präsidenten Wilson überreichen ließ, und wieder eine Reihe von freien Arbeiten «Zwergin» und «Schicksal». Die drei Plaketten «Eisläuferin», «Fußballspieler» und «Sieger» trugen ihm die bronzene Medaille der Pariser Olympiade von 1924 ein. In jenem Zeitpunkt wurden an den olympischen Spielen nämlich noch Medaillen für Kunstwerke verliehen, die sich mit sportlichen Themen befaßten. Im Grunde genommen war Hans Frei also auch ein Olympionike. Auf der Liste der Schweizer, die Gold, Silber oder Bronce» ins Land brachten, fehlt sein Name allerdings meistens.

Immer mehr begann sich Frei nun auch dem alten, bodenständigen Brauch des Zinngießens zu widmen. Er war einer der ersten, die wieder gute Zinnkannen und -becher schufen. Seine von eigener Hand gegossenen Zinnteller gehören mit zu seinen besten Werken, und mit Recht schmücken sein «Landsknecht mit Zweihänder», sein «Trommler», sein «Bannerträger» und seine Wappenteller manche Wand.

1923 entwarf er den Brunnen zur Erinnerung an die Vereinigung Riehens mit Basel und schmückte ihn mit einer zierlichen Bronzefigur, die zu seinen besten Rundplastiken gehört. Im Frühjahr 1928 gab Frei auf Veranlassung seiner Freunde zu seinem 60. Geburtstag sein Selbstporträt heraus (siehe Abbildung Seite 80). Seither schenkte er uns die Oekolampad-Medaille, die Denkmünze auf Rudolf Wettstein, die Plakette von Prof. Speiser, seine Gußmedaillen zum 450. Geburtstag der Tagsatzung zu Stans und zur Solothurner Bundesfeier, die Medaille zur Centenarfeier von Baselland und vieles andere.

In der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts war Hans Frei zweifellos der Schweizer Medailleur, den man ohne weiteres in einem Atemzug mit dem großen Schwyzer Barockmedailleur J. C. Hedlinger und dem Zürcher Renaissancemeister Jakob Stampfer nennen darf. Mitten im Zweiten Weltkrieg traf ihn auf der Höhe seiner Schaffenskraft ein schwerer Hirnschlag, der ihn in seiner Arbeit völlig lähmte. Zu jenem Zeitpunkt umfaßte der Oeuvrekatalog seiner Medaillen und Plaketten ungefähr 500 Arbeiten. In dieser Zahl sind die — relativ wenigen - Rundplastiken nicht inbegriffen. Ebenso fehlen darin die verschiedenen Grabmäler und Grabplatten, die er geschaffen hat, seine ungezählten Aquarelle und Zeichnungen; nicht enthalten ist die ungemein große Zahl der Schmuckstücke, Ringe, Anhänger und Broschen, der Amts-, Notariats- und Familiensiegel sowie der Becher und Zinnkannen, die der Künstler verfertigte. Größere Kollektionen von Arbeiten Hans Freis finden sich in manchen öffentlichen Sammlungen, so im Basler Historischen Museum, im Schweiz. Landesmuseum in Zürich, im Musée du Luxembourg, in der Bibliothèque Nationale, im Musée de la Monnaie in Paris, im Kunsthistorischen Museum zu Wien und in verschiedenen deutschen Museen. Sein Werk ist zugleich ein Abriß der Schweizer Geschichte und eine Galerie der bedeutenden Männer unseres Landes. Es ist aber vor allem ein Zeugnis vom Leben und Schaffen eines großen Könners und Künstlers.

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